„Die Wunderfrage oder was wäre wenn BK Kurz bei Abschiebungen plötzlich menschlich handelt?“

Konrad Steurer Demokratie, Diskussion, Medien Leave a Comment

[Manuskript zum Redebeitrag von Konrad Steurer, vorgetragen auf der Sonntagsdemo am 16. Dezember 2018 in Hohenems/Vorarlberg.]

Liebe Freunde einer gerechten Welt!
Herzlich Willkommen liebe SonntagsdemonstrantInnen!

Anlass meiner Ausführungen ist ein Transparent von der Sonntagsdemo am 25. November 2018 in Rankweil. Darauf stand das Statement:

„Menschlichkeit komm(t) zu Kurz!“

Doch bevor ich einsteige, möchte ich vorher noch eine Begriffsklärung vornehmen. Wenn ich von Menschlichkeit rede, dann meine ich die Menschlichkeit, die vom warmen Herzen kommt, der Barmherzigkeit und der Gerechtigkeit.

Ich meine nicht jene Bösartigkeiten, die sich Menschen gegenseitig antun. Auch wenn´s als unmenschlich bezeichnet wird, ist´s menschlich, also von Menschen gemacht. Ebenso meine ich nicht die schlauen GeschäftemacherInnen, die sich von anderen bereichern, ebenso meine ich nicht diese „Menschlichkeit“ von beliebten PolitikerInnen, die ihre Aussagen vom Mund der Leute ablesen, dennoch dabei immer wieder Sündenböcke produzieren.

In der psychosozialen Arbeit, in der Psychotherapie gibt´s die Methode der Wunderfrage. Die stelle ich so: „Was wäre wenn Bundeskanzler Kurz bei Abschiebungen plötzlich menschlich handelt?“

Klar die Familie in Sulzberg wäre nicht voneinander getrennt worden. Was gut ist.

Doch was ist mit den Lehrlingen, die auf einen guten Ausbildungs- und Integrationsweg gebracht wurden, unsere zukünftigen FacharbeiterInnen. Werden diese nicht dennoch abgeschoben?

Doch selbst wenn auch dieses Wunder eintritt, was ist mit den Trennungen und Unterscheidungen, die bei Zugwanderten immer wieder stattfindet:

  • Angepasste AusländerInnen und kriminelle;
  • Integrationswillige und ausnützige, also sogenannte sozialschmarotzende AsylwerberInnen;
  • Konventions- und Wirtschaftsflüchtlinge;
  • Oder gar gesunde und kranke AsylwerberInnen. So werden beispielsweise von AsylwerberInnen, die in einer Suchtberatungsstelle einen Integrationshilfeantrag stellen, automatisch die Daten an die Asylbehörden weitergeleitet. Den Interpretationen, die daraus entstehen, bleibt wohl ein großer Spielraum.

Aber sind diese Menschen nicht alle in ihrer Existenz bedroht?

Doch auch wenn diese zum Teil willkürlichen Unterscheidungen nicht vorgenommen werden, was ist mit der Politik der Zäune und Mauern?

Die Zäune und Mauern, die die Menschen erst gar nicht in unser Land lassen. Mit dieser Politik werden die Preise für das Schlepperwesen hochgetrieben. Herr Kurz als Preistreiber für den Schleppermarkt.

Da fällt mir Folgendes ein: Was wäre wenn das Schleppergeschäft legal gemacht würde, quasi als Aktiengesellschaft? Die Schlepper AG. Ich werde den Gedanken nicht los, dass Herr Kurz sich sicher Aktien besorgt hätte. Und zwar vorder sogenannten Schließung der Balkanroute!

Doch zurück zum Thema.

Also selbst wenn es die Politik der Mauern und Zäune nicht mehr gäbe, was ist mit der Exportpolitik?

Unser Gewinn ist der Verlust der anderen. Wir exportieren, nach Deutschland, in den Süden von Europa und in andere Kontinente, zB nach Afrika. Dort werden dadurch  viele Menschen ihrer Lebensgrundlagen beraubt.

Oder mit der Kriegswirtschaft. Österreich stellt Waffen her und ist Zulieferer der Waffenindustrie. Waffen die töten und Leid verursachen. Diese finden ihren Einsatz in den Kriegsgebieten aus denen die Menschen fliehen müssen.

Oder mit der Profitorientierung versus dem Umweltschutz. Die Wirtschaft kommt immer noch vor der Umwelt. Außerdem gebiert sie einen Emissionshandel, das heißt einen Handel mit Verschmutzungsrechten. Das ist doch ein Wahnsinn. Menschen fliehen aufgrund ihrer Lebensweltzerstörung. In Zukunft sicher vermehrt.

Oder mit der Politik der Ungleichheit. Die Wirtschaft dominiert alles, wenige werden reicher, doch immer mehr werden immer noch ärmer. Hier in Österreich, aber auch zwischen den Ländern und den Kontinenten. Armut ist ein Fluchtgrund.

Nein, das ändert sich sicher nicht alles. Und wenn Herr Kurz entsprechend der Wunderfrage sich vollständig wandeln würde, was ist dann mit seinen Parteifreunden? Oder mit dem Koalitionspartner? Oder mit den Lobbyorganisationen, die nicht nur einflüstern, sondern tatkräftig an der gegenwärtigen Situation mitfinanzieren? Nein, da ändert sich nichts.

Unser Protest hier ist wichtig, ganz wichtig! Doch wir können nicht darauf warten, dass unsere Forderungen von PolitikerInnen erfüllt werden, nicht von allen, doch von jenen, die mitunter diese Misere mit zu verantworten haben. Nein, darauf können wir nicht warten.

Es ist Zeit die Machtfrage zu stellen. Denn das, was die können, das können wir auch. Zumindest gleich gut, aber sicher anders.
Es ist Zeit, dass wir hier, Menschen der offenen Gesellschaft, dort einsteigen, wo Gesetze beschlossen werden.
Mischen wir uns ein in etablierte Parteien und mischen wir dort mit. Aber auch in neue Bewegungen und in neue politische Wahlplattformen.

Menschlichkeit an die Macht!
Dass wir die Gesetze beschließen, mit Herzenswärme und Weitblick!

Ja, wir können es! Ja, wir schaffen es!

Ah ja Herr Kurz, wir kommen wieder 😉

 

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